Stresa

20. Juli 2012

Vor einiger Zeit beschlossen wir, zu Dritt, d.h. Noi, Peter und unser Nachbar Werner, einen Tagesausflug nach Stresa zu unternehmen. Nach Konsultation des Wetters und insbesondere des Schifffahrplanes war es am Freitag 20. Juli soweit. Wir beschlossen, in Thurnen den Zug um 07.03 Uhr zu besteigen. Eine halbe Stunde später hätte wohl auch gereicht, aber wir wollten beim Umsteigen in Thun nicht hetzen müssen.               (Fortsetzung nach den Bildern)

Mit Werners Auto fuhren wir also um 06.30 Uhr in Rüschegg los und parkierten am Bahnhof Thurnen.  Eine Tageskarte dort kostet 6 Franken, gegenüber 8 Franken in Schwarzenburg. Weshalb der Unterschied? Übrigens; fährt man mit dem Postauto von Rüschegg nach Toffen oder Thurnen, muss man in jeweils in Riggisberg 20 Minuten warten. Schade!

Der EuroCity Richtung Domodossola und Milano Centrale verlässt Thun um 07.54 Uhr. Wir stellten fest, dass ein Extrazug nach Brig geführt wurde, welcher in Thun 3 Minuten vor unserem Zug abfahren sollte. Am Lautsprecher erfolgte die Durchsage, dass der EuroCity vollständig ausgebucht sei und Passagiere ohne Sitzplatzreservation den Extrazug nehmen sollen.

Zum Glück hatte Werner am Tag vor unserer Reise die gute Idee eine Platzreservation vorzunehmen (5 Franken pro Person). So hatten wir im Wagen Nr. 5 die Plätze 81, 82 und 83 auf Sicher.

Der Extrazug wies eine Verspätung von 6  Minuten auf und unser EuroCity fuhr schliesslich mit 10 Minuten Verspätung ab. Unser Zug war tatsächlich vollständig ausgebucht. Leute ohne Reservation setzten sich auf leere Sitze um dann einige Minuten später wieder aufstehen zu müssen, wenn die Sitzplatzinhaber erschienen. Überall standen Leute herum und für das Gepäck war praktisch kein Platz mehr vorhanden. Es war ein ziemliches Durcheinander, welches sich erst in Domodossola auflöste. Bei unserem EuroCity handelt es sich übrigens um  die neuesten Komposition der SBB, den Neigezug ETR 610, von mir liebevoll „Schnabeltier“ genannt.

Durch die Sachlage erfolgte die Ankunft in Domodossola statt um 09.12 Uhr mit einigen Minuten Verspätung. Bis zur Weiterfahrt blieb trotzdem Zeit genug, um vis-à-vis vom Bahnhof einen Kaffee zu trinken. Zwei Kaffee Macciato und einmal Kaffee Americano, total  4.80 EURO. Soviel bezahlt bei uns fast für  e i n e  Tasse Kaffee;  wenn nicht Heute wahrscheinlich Morgen.

Die Weiterfahrt Richtung Stresa erfolgte pünktlich um 09.48 Uhr. Der Preis für die Reise mit diesem Lokalzug, welcher übrigens bis Mailand fährt, war wesentlich günstiger als wenn wir mit dem „Schnabeltier“ bis Stresa gefahren wären. Die einfache Fahrt kostet lediglich 4 Franken. Da macht es nichts aus, dass die Wagen nicht mehr die Neuesten und von aussen unansehnlich sind. Nach 36 Minuten erreichten wir unser Ziel Stresa am Lago Maggiore. Quasi vor der Türe Stresas liegen die bekannten borromäischen Inseln „Isola Bella“ und „Isola Pescatori“ sowie ein wenig weiter entfernt die „Isola Madre“.

Nach dem langen Sitzen tat der 10-minütige Spaziergang vom Bahnhof entlang der „Via Duchessa di Genova“ zum Lago Maggiore ganz gut. Weiter gings rechts der Seepromenade entlang zum Hafen, vorbei an „Wegelagerern“, welche uns unbedingt ihr Boot zu den Borromäischen Inseln schmackhaft machen wollten. Dabei sind ihnen alle Mittel recht, sogar die Behauptung, das Kursschiff nach Intra sei heute im Streik.

Am Hafen angekommen vergewisserten wir uns, dass das Schiff, wie zu Hause im Internet recherchiert, um 12.00 Uhr abfährt und kauften alsdann 3 Fahrkarten nach Intra (6.20 EURO pro Person). Jetzt erfolgte folgte ein Abstecher zum ein paar Minuten entfernten Markt, welcher jeden Freitag stattfindet. Mit in der Westentasche gesichertem Geldbeutel drängten wir uns durch die Menschenmenge, um schliesslich wie geplant zu einem akzeptablen Preis zwei Salami und ein Stück Käse zu erstehen. Anschliessend erholten wir uns auf dem „Piazza Generale Luigi Cadoma“ bei einem Mineralwasser, einen Orangensaft und einer „Flute di Prosecco“ (Peter) von den Anstrengungen, alles in allem für rund acht EURO.

Pünktlich um 12.00 Uhr verliess das Schiff Stresa in Richtung Intra, vorbei an der „Isola Bella“ und der „Isola Pescatori“, auch „Isola Superiore“ genannt. Nach einen Zwischenstopp in Baveno ging es weiter nach Pallanza. Die dritte borromäische Insel „Isola  Madre“ liessen wir rechts liegen. Das letzte Teilstück nach Intra dauerte nicht mehr lange und um 12.40 Uhr legte das Schiff dort an.  Unser Schiff war übrigens sehr schwach belegt, was erklärt, dass es nur von Donnerstag bis Sonntag verkehrt.  Dafür hatten wir auf dem Oberdeck (keine 1. Klasse) genug Platz um die Sonne und den Fahrtwind zu geniessen. Wir stellten fest, dass sich auf einem „streikenden“ Schiff sehr gut fahren lässt. Dieser Schiffskurs beginnt übrigens bereits in Arona und endet um 15.15 Uhr in Locarno. Bis dort hätte man also genügend Zeit für eine ausgiebige und gediegene Mahlzeit.

A propos Mahlzeit: jetzt war es Zeit dafür. Statt uns im Städtchen Intra nach einem Restaurant umzusehen, liessen wir uns gleich am Hafen nieder. Ein kleines Restaurant mit ein paar Tischen,  Sonnenschirmen und einer kleinen Seebrise: was will man mehr. Noi bestellte „Lasagne Ragu“, Werner und Peter zogen „Risotto ai Funghi“ vor. Dazu ein Mineralwasser (Noi) und einen mezzo litro  „Gewürztraminer“ . Zum Abschluss gab’s 2 Kaffees. Alles zusammen kostete nur 22.50 EURO! Wirklich ein günstiger Preis.

Intra hat ebenfalls eine sehr schöne Seepromenade.  Aber leider ohne Schatten. So verzichteten wir auf einen Spaziergang nach dem Essen und warteten im Schatten auf unseren Bus um 15.20 Uhr. Pro Person bezahlten wir für die einstündige Fahrt nach Domodossola 3.90 EURO.

In Domodossola sollte gemäss Werner um 15.48 Uhr ein Zug Richtung nach Brig fahren. Wir mussten zu unserem Leidwesen feststellen, dass zwar um 14.48 Uhr, um 16.48 Uhr und um 17.48 Uhr ein Zug fährt, aber eben nicht um 15.48 Uhr. Auch das Postauto, welches gemäss Peter um 15.30 Uhr über den Simplon nach Brig fahren sollte, war nirgends zu sehen.  Also statten wir dem COOP beim Bahnhof Domodossola einen kurzen Besuch ab. Nach unserem Dafürhalten sind die Preise dort nicht günstig und ein Einkauf lohnt sich kaum. Mittlerweilen türmten sich über den Bergen dunkle Wolken auf und es war heiss und schwül. Über dem Simplon grollte der Donner. Wir beschlossen,  im Restaurant vis-à-vis vom Bahnhof  noch einmal unseren Durst zu löschen. Dieses Mal gab es auch für Peter Mineralwasser.

Um 16.48 Uhr fuhren wir schliesslich mit dem Lokalzug zurück nach Brig. Bereits als wir uns eine Stunde früher nach dem Zug umschauten, war uns im Bahnhof Domodossola ein Schwarzer aufgefallen, welcher sich eigenartig benahm. Als wir später im Zug auf die Abfahrt warteten, bemerkte Peter den Mann auf dem andern Bahnsteig, immer wieder zu unserem Zug schielend, als ob er etwas auskundschaften wollte. Noi sah, dass er unmittelbar vor der Abfahrt zuhinterst in unseren Zug einstieg. Eine Grenzkontrolle im üblichen Sinn findet zwischen Domodossola und Brig nicht statt, schliesslich befinden wir uns ja im Schengen-Raum. Kurz nach der Abfahrt patrouillierten jedoch 3 Zollbeamte mit einem Drogenhund durch den Zug. Beim Aussteigen in Brig sahen wir die Beamten wieder, den Schwarzen in Handschellen zwischen sich. Ein Asylant? Wohl kaum, Handschellen wären da nicht angebracht. Also sehr wahrscheinlich Drogenschmuggel!

Statt wie am Morgen durch den neuen Simplon-Tunnel zu fahren, beschlossen wir, mit dem Regioexpress „Lötschberger“ um 18.36 Uhr über die alte Bergstrecke zurück nach Thun zu fahren, eine Fahrt welche sich wegen der Aussicht auf das Rhonetal immer wieder lohnt. Als wir bei Kandersteg aus dem „Loch“ fuhren, stellten wir fest, dass das Wetter auf dieser Seite der Alpen umgeschlagen hatte. Es war quasi eine Zeitreise in den Herbst: Im Wallis war es noch sonnig, jetzt erwarteten uns Nieselregen, Nebelschwaden und Kälte. In Spiez mussten wir längere Zeit warten. Der „Lötschberger“ aus Zweisimmen und derjenige aus Brig werden dort jeweils zusammen gehängt, aber dies war nicht der Grund für die Warterei. Zuerst wurde ein nordwärts fahrender Güterzug vorbeigelassen und anschliessend traf ein südwärtsfahrender Güterzug ein, welcher unsere Geleise überquerte. Als dann auch noch ein Intercity aus Interlaken einfuhr, sahen wir unseren Anschluss in Thun vor dem geistigen Auge schon „davon schwimmen“. Aber schliesslich erhielt unser Regioexpress vor dem Intercity grünes Licht und kurz nach 19 Uhr erreichten wir Thun. Einige Minuten später sassen wir bereits im Anschlusszug zurück nach Thurnen, und um 19.45 Uhr waren wir zu Hause.

Ein schöner Ausflug, welchen wir den Lesern dieser Zeilen wärmstens empfehlen können! Von Zeit zu Zeit ein wenig über die Grenze schauen und das Leben geniessen erweitert die Sinne und tut Allen gut!

 

 

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